Öffentliche Ausschreibungen finden: welche Portale reichen
Es gibt in Deutschland keine Stelle, an der alle öffentlichen Ausschreibungen stehen. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern Folge des Vergaberechts: oberhalb der EU-Schwellenwerte muss europaweit veröffentlicht werden, darunter genügt eine nationale Bekanntmachung, und welche Plattform eine Vergabestelle dafür nutzt, entscheidet sie selbst.
Wir betreiben einen Dienst, der diese Portale täglich ausliest. Für diese Seite haben wir nachgezählt, was das praktisch bedeutet.
Die kurze Antwort
Wer in Deutschland zuverlässig alle Ausschreibungen sehen will, muss sieben Quellen beobachten. Mit den beiden größten, bund.de und TED, sehen Sie knapp 89 Prozent. Beide sind kostenlos. Die restlichen elf Prozent verteilen sich auf fünf weitere Plattformen.
Der wichtigste Einzelbefund: 72 Prozent aller deutschen Vergaben stehen auf genau einer Plattform. Wer nur eine Quelle beobachtet, sieht also nicht einen Ausschnitt mit Überschneidungen, sondern verpasst einen echten Teil des Marktes.
Was wir gemessen haben
Grundlage sind 30 Tage, Stichtag 6. Oktober 2026. In diesem Zeitraum haben unsere Crawler 13.880 eindeutige deutsche Vergabeverfahren erfasst.
Eindeutig heißt: dieselbe Vergabe erscheint oft auf mehreren Portalen, einmal national und einmal europaweit, oder zusätzlich auf dem Marktplatz der Vergabestelle. Solche Spiegel haben wir zusammengefasst und zählen sie als ein Verfahren. Der Abgleich läuft über Titel, Land und Angebotsfrist; Lose desselben Verfahrens bleiben getrennt, weil man sich auf sie einzeln bewirbt.
Die Zahlen beschreiben, was unsere Crawler sehen. Eine Vergabestelle, die ausschließlich auf ihrer eigenen Website veröffentlicht, taucht in keiner Statistik auf, auch nicht in dieser.
Wie weit Sie mit welcher Quelle kommen
| Quelle | Anteil an allen deutschen Vergaben |
|---|---|
| bund.de | 57,0 % |
| TED (EU-Amtsblatt) | 39,2 % |
| DTVP | 15,3 % |
| Vergabe NRW | 8,8 % |
| DTVP-Satellitenportale | 8,5 % |
| evergabe-online | 6,3 % |
| RIB eVergabe | 1,5 % |
Die Prozentwerte addieren sich auf mehr als hundert, weil sich die Quellen überschneiden. Interessanter ist deshalb, wie viel neue Verfahren jede weitere Quelle bringt:
| Beobachtete Quellen | Abdeckung |
|---|---|
| nur bund.de | 57,0 % |
| bund.de + TED | 88,9 % |
| zusätzlich DTVP | 94,4 % |
| zusätzlich DTVP-Satelliten | 96,5 % |
| zusätzlich RIB eVergabe | 98,0 % |
| zusätzlich Vergabe NRW | 99,3 % |
| zusätzlich evergabe-online | 100 % |
Die ersten beiden Quellen bringen den Großteil. Die letzten vier Prozentpunkte kosten vier zusätzliche Plattformen, und genau dort sitzen oft die kleineren, regionalen Verfahren mit weniger Wettbewerb.
Die Portale im Einzelnen
bund.de
Das Beschaffungsportal des Bundes, kostenlos und ohne Konto. Es bündelt Bekanntmachungen von Bund, Ländern und Kommunen und ist mit rund 268 neuen Einträgen am Werktag die größte einzelne deutsche Quelle. 93 Prozent der Einträge nennen eine Angebotsfrist.
Die Schwäche sehen Sie sofort, wenn Sie die Trefferliste öffnen: lange Titel werden abgeschnitten, eine Beschreibung gibt es in der Liste nicht, und die Suche arbeitet über Stichworte. Wer nicht genau das Wort trifft, das die Vergabestelle gewählt hat, findet die Ausschreibung nicht.
TED, das EU-Amtsblatt
Alle Vergaben oberhalb der EU-Schwellenwerte, europaweit, kostenlos und mit einer offenen Schnittstelle. Für Deutschland sind das rund 190 Verfahren am Werktag. TED ist die zweite Pflichtquelle, weil dort große Rahmenverträge stehen, die national nicht noch einmal erscheinen müssen.
Die Schwäche: TED denkt in CPV-Codes. Wer die Systematik nicht kennt, sucht an seinem eigenen Markt vorbei. Und die Bekanntmachungen sind Formulare, keine Texte: was tatsächlich beschafft wird, steht oft erst in den Vergabeunterlagen.
Die eVergabe-Plattformen
DTVP, evergabe-online, RIB eVergabe und die Marktplätze einzelner Länder und Kommunen. Dort läuft das Verfahren selbst ab: Unterlagen herunterladen, Bieterfragen stellen, Angebot einreichen. Viele Vergabestellen veröffentlichen hier zusätzlich zur Bundesebene, manche ausschließlich.
Für Sie heißt das: ein Konto je Plattform, eigene Suchprofile, eigene Benachrichtigungen. Die Unterlagen sind teils erst nach Anmeldung abrufbar.
Landesportale
Vergabe NRW ist das größte und bringt allein 8,8 Prozent aller deutschen Verfahren. Andere Länder betreiben eigene Portale oder nutzen einen der großen Anbieter. Wenn Ihr Markt regional ist, kann ein Landesportal wichtiger sein als TED.
Der kostenlose Weg, und was er wirklich kostet
Alle genannten Quellen sind frei zugänglich. Sie können 89 Prozent des Marktes ohne einen Euro Abogebühr beobachten, indem Sie bund.de und TED täglich durchsehen. Rechnen Sie nur ehrlich mit, was das an Zeit bedeutet.
Realistisch sind zehn bis fünfzehn Stunden im Monat, wenn Sie mehrere Portale ernsthaft durchsehen: Trefferlisten öffnen, Titel lesen, bei Unklarheiten die Bekanntmachung aufrufen, Dubletten erkennen, Fristen notieren. Der Aufwand entsteht nicht durch die Treffer, sondern durch die vielen Nichttreffer dazwischen.
Was das kostet, hängt davon ab, wer es macht:
| Wer durchsieht | Stundensatz | 12 Stunden im Monat | im Jahr |
|---|---|---|---|
| Sachbearbeitung | 19 bis 25 € | 228 bis 300 € | 2.736 bis 3.600 € |
| Bid- oder Tender-Management | 37,50 € | 450 € | 5.400 € |
| Inhaber oder Geschäftsführung | 50 bis 75 € | 600 bis 900 € | 7.200 bis 10.800 € |
Die Stundensätze sind Bruttolöhne nach Qualifikation, ohne Arbeitgeberanteile und ohne Gemeinkosten. Wer die Durchsicht selbst macht, zahlt sie also nicht in Rechnungen, sondern in der Zeit, die für Angebote fehlt.
Dazu kommt der Fehler, den keine Rechnung zeigt: eine übersehene Frist. Sie lässt sich nicht nachholen.
Wofür ein Dienst sinnvoll ist, und wofür nicht
Ein Ausschreibungsdienst nimmt Ihnen das Durchsehen ab und bündelt die Portale an einer Stelle. Das lohnt sich, wenn Sie in mehreren Märkten oder Bundesländern bieten, wenn Ihre Leistung quer zu den CPV-Codes liegt, oder wenn niemand bei Ihnen zwölf Stunden im Monat dafür frei hat.
Es lohnt sich nicht, wenn Sie nur bei zwei oder drei bekannten Vergabestellen bieten. Dann abonnieren Sie deren Benachrichtigungen direkt und sparen sich alles Weitere.
Ehrlich dazu gehört auch: kein Anbieter sieht jedes Vorhaben. Wer Vollständigkeit verspricht, verspricht etwas, das sich nicht halten lässt. Was sich halten lässt, ist eine nachvollziehbare Liste der beobachteten Quellen und eine ehrliche Angabe, was dort täglich ankommt.
Europaweit: dieselbe Rechnung, nur größer
Wer über Deutschland hinaus bietet, hat das Problem je Land erneut. Unsere Crawler lesen derzeit 38 Plattformen in 27 Ländern aus und erfassen darüber rund 107.000 Bekanntmachungen in 30 Tagen. Die Streuung ist erheblich: Griechenland allein liefert über 600 Einträge am Tag, Luxemburg sieben.
Für die Praxis heißt das: Ein zweites Land verdoppelt den Suchaufwand nicht, es vervielfacht ihn, weil jede Plattform eigene Anmeldung, eigene Suchlogik und eigene Sprache mitbringt.
Häufige Fragen
Wo finde ich öffentliche Ausschreibungen kostenlos?
Auf bund.de und auf TED. Beide sind frei zugänglich, ohne Konto durchsuchbar und decken zusammen knapp 89 Prozent der deutschen Vergaben ab. Für die restlichen elf Prozent brauchen Sie Konten auf den eVergabe-Plattformen, die ebenfalls nichts kosten.
Reicht bund.de allein?
Nein. Gemessen über 30 Tage sehen Sie damit 57 Prozent. Die fehlenden 43 Prozent sind kein Rauschen: 3.779 Verfahren standen in diesem Zeitraum ausschließlich auf TED und 1.349 ausschließlich auf einer eVergabe-Plattform.
Was ist der Unterschied zwischen TED und bund.de?
TED ist das EU-Amtsblatt und enthält Vergaben oberhalb der EU-Schwellenwerte, europaweit. bund.de ist das nationale Portal und enthält auch die Verfahren darunter, die den größeren Teil der Stückzahl ausmachen. Große Rahmenverträge finden Sie eher auf TED, kleinere kommunale Aufträge eher auf bund.de.
Wie oft muss ich nachsehen?
Täglich, wenn Sie kurze Fristen nicht verpassen wollen. Bei nationalen Verfahren sind zwei bis drei Wochen zwischen Bekanntmachung und Angebotsfrist üblich, bei Verhandlungsvergaben auch weniger. Wer einmal in der Woche nachsieht, verliert im Mittel drei Tage Bearbeitungszeit.
Kann ich die Vergabeunterlagen immer herunterladen?
Nicht überall ohne Anmeldung. Auf bund.de und TED stehen die Bekanntmachungen, die eigentlichen Unterlagen liegen meist auf der eVergabe-Plattform der Vergabestelle. Ein Teil davon ist anonym abrufbar, ein Teil erst nach Registrierung.
Methodik und Stand
Alle Zahlen auf dieser Seite stammen aus unserem eigenen Bestand, Zeitraum 7. September bis 6. Oktober 2026. Gezählt wurden Bekanntmachungen mit Länderkennung Deutschland, zusammengefasst über Titel, Land und Angebotsfrist. Die Werte schwanken saisonal; wir aktualisieren sie, wenn sich die Lage deutlich ändert.
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